Tarifvertrag arbeitsvertragsrichtlinien des deutschen caritasverbandes

Österreich war eher bereit, ein Lohnverhandlungsfeld im Bereich der sozialen Dienstleistungen zu schaffen, da institutionelle Unternehmer auf beiden Seiten der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Spaltung die durch das breitere institutionelle Umfeld bereitgestellten Machtressourcen nutzen könnten. Österreichs Tarifverhandlungen im Sozialbereich mit mehreren Arbeitgebern wurden durch die außergewöhnlich hohe Tarifabdeckung von fast 100 % aller abhängig Beschäftigten in Österreich (Pernicka und Hefler 2015) und die fest etablierten Normen und Vorstellungen der Zusammenarbeit in den nationalen Bereichen der Arbeitsbeziehungen erleichtert. Der “partnerschaftliche Ansatz” der Arbeitgeber in Fragen des Arbeitsmarktes und der Beschäftigung war eine entscheidende Kraft bei der Schaffung günstiger Bedingungen für die Arbeitnehmer und der Vermeidung einer wettbewerbsfähigen Unterbietung von Löhnen und Bedingungen. Darüber hinaus hat das Ziel, gegenüber den staatlichen Akteuren die Verhandlungsposition über die erneute Finanzierung von Sozialdienstleistungen zu verbessern, allianzen innerhalb der Klasse unter den Arbeitgebern gefördert, die einen sektoralen Tarifvertrag schaffen wollen. Im Gegensatz zu den meisten Arbeitgebern im Sozialdienstleistungssektor in Deutschland scheinen die österreichischen Arbeitgeber nach wie vor sozialisiert zu sein, um ausgehandelte, gemeinsame Lösungen gegenüber individuellen Strategien des Lohnwettbewerbs vorzuziehen. Mehrere Befragte stellen jedoch fest, dass, wenn der Kontext die kürzlich legitimierte Austeritätspolitik enthalten hätte, die akteure der regionalen öffentlichen Politik und der Verwaltung erfolgreich gegen eine nationale Lohnvereinbarung hätten mobilisieren können. Die kirchlichen Anbieter Caritas und Diakonie genießen das besondere Recht, über den sogenannten “dritten Weg” Leitlinien für Arbeitsverträge abzuschließen. Das bedeutet, dass Sonderkommissionen, die mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern besetzt sind, diese Leitlinien aushandeln. In einigen ihrer Regionalen hat die stärker dezentrale Diakonie von diesem dritten Weg abgewichen und tarifgebundene Verträge mit ver.di abgeschlossen. Viele diakonische Unternehmen sind im Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD)Fußnote 17 vertreten, der 1996 gegründet wurde, um die Interessen diakonischer Unternehmen zu fördern, die der Meinung waren, dass die religiös orientierte Diakonie ihr wirtschaftliches Interesse nicht gut repräsentierte (Interview 17). VdDD-Vertreter befürworten vor allem den Wettbewerb zwischen Sozialdienstleistern – oder halten ihn für unausweichlich, weil die Erstattung aller angefallenen Kosten der Vergangenheit angehört. Sie fordern jedoch die gleichen Rahmenbedingungen für alle Wettbewerber.

Zu diesen Rahmenbedingungen sollte ihrer Ansicht nach die Erstattung von Kosten gehören, die sich aus höheren Löhnen ergeben, wenn ein Tarifvertrag einen Anbieter bindet. Ziel des VdDD ist es, einen umfassenden Rahmen kollektiver Regelungen für alle diakonischen Unternehmen in Deutschland zu schaffen. Um mit privaten gewinnorientierten Anbietern konkurrieren zu können, die ohne Tarifverträge tätig sind, würde dieser Rahmen die Möglichkeit bieten, differenzierte Löhne in verschiedenen Regionen und Teilsektoren zu erzielen (Interview 18).

 

 

 

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